Thomas Aigner, Geschäftsführer Aigner Immobilien - Aigner Immobilien - Immobilienmakler München

Was in Sachen Wohnraummangel das RICHTIGE wäre – und warum die Politik das nichts angeht

Ein Appell von Thomas Aigner

Im europäischen Vergleich ist Deutschland (die Schweiz mal außer Acht gelassen) das Schlusslicht bei der Eigentumsquote. Gerade mal rund 47 % der Haushalte leben im Eigenheim. Der EU-Schnitt beträgt etwa 69 %. Am höchsten ist die Quote in Rumänien mit rund 95 %, gefolgt von Kroatien (91 %) und Polen (87 %). Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Deutschland das Mieterland Nummer 1 in der EU ist.

Die Gründe dafür sind historisch bedingt: Die Entwicklung vom Agrarland zur Industrienation im Kaiserreich führte zu einer Urbanisierung. Der Nachfragedruck nach Wohnraum in den Städten stieg rasant. Es entstanden die sogenannten Mietskasernen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte erneut großer Wohnraummangel aufgrund der immensen Zerstörung und der Fluchtbewegungen. Um schnell Wohnraum zu schaffen, wurden in den 1950er- und 60er-Jahren zügig Mietwohnungen gebaut. Der politische Fokus auf den sozialen Wohnungsbau führte dazu, dass die Bundesrepublik zur Mieternation wurde; die Förderung von selbst genutztem Eigentum war sekundär.

Im Vergleich zu anderen Ländern, in denen Wohneigentum als Investition für die Zukunft und Statussymbol angestrebt wird, ist das Mieten von Wohnraum hierzulande dadurch eine akzeptierte Form des Wohnens – vor allem in den Städten.

Problematisch ist es für eine Mieternation wie Deutschland dann, wenn Mietbelastungen bei einem Umzug deutlich ansteigen. Dies kann laut einer aktuellen Studie des Eigentümerverbandes Haus & Grund für Alleinlebende in besonders angespannten städtischen Märkten wie München oder Berlin zum Problem werden.

Das zeigen auch die Ergebnisse von Aigner Immobilien Research. Wir analysieren regelmäßig die Entwicklung der durchschnittlichen Angebots-Mietpreise bei Neuvermietungen in München. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Mieten pro Quadratmeter bei Neubauwohnungen im Schnitt um 22 % auf 25 Euro und bei Bestandswohnungen sogar um 26 % auf 22,40 Euro erhöht. Nun ziehen Ballungsräume prosperierende Unternehmen und damit gut bezahlte Fachkräfte an, die sich solche Mieten leisten können. Aber viele andere Menschen eben nicht.

Paradigmenwechsel in den Köpfen nötig

Was es deshalb dringend braucht, ist ein Paradigmenwechsel in den Köpfen. Eigentum für die Selbstnutzung zu erwerben, muss im Mieterland Deutschland politisch jetzt endlich deutlich stärker in den Vordergrund rücken. Denn wer im Eigenheim lebt, ist vor steigenden Mieten gefeit. Zudem würde eine erhöhte Eigentumsquote die Vermögensungleichheit reduzieren – und es ist bekannt, dass ein abbezahltes Eigenheim eher vor Altersarmut schützt. Zudem wollen viele Mieter ins Eigentum, wie Studien immer wieder bestätigen.

Einer der wichtigsten Schlüssel hierzu ist, durch Flächenmobilisierung Angebot zu schaffen. Es muss konsequent und regelmäßig Bauland in den Ballungsräumen ausgewiesen werden, um Wohnungen jeglicher Art zu erstellen: Das heißt Sozialwohnungen als auch frei finanzierte Wohnungen. Genau das aber wurde in den vergangenen Jahrzehnten von der Politik in den Metropolregionen versäumt, ja sträflich vernachlässigt! Stattdessen hat man kurzfristige Mieterschutzpolitik betrieben, die zwar Wählerstimmen und damit Mehrheiten schafft, aber eben keinen neuen Wohnraum.

Diese kurzsichtige Mieterklientelpolitik nützt langfristig niemanden, ist jedoch natürlich sehr populär. Denn an seine Enkel denkt ein Mieter in München, der sich seine Miete nicht mehr leisten kann oder die Eigenbedarfskündigung erhält, sicher nicht. Er wird lieber jene Parteien wählen, die die gegebenen Umstände konservieren oder seine Mietrechtsituation womöglich noch weiter verbessern. In Zeiten klammer Kassen kostet das die Politik kein zusätzliches Geld und bringt Wählerstimmen. Nur eben keine neuen Wohnungen; weder im Eigentum noch zu einer günstigen Miete.

Es ist im Grunde wie bei dem leidigen Thema Rente. Alle wissen es: So, wie es jetzt ist, geht es auf Dauer für die Gemeinschaft nicht. Doch leider sieht jeder nur seinen eigenen Geldbeutel bzw. seinen eigenen Rentenbescheid. Und was machen die politischen Entscheider? Nichts. Bis kurz vor den Wahlen: Dann kommen Versprechungen, die nicht einzuhalten sind oder die die Enkel bezahlen sollen.

Schade, wo es doch durch einfache Mathematik sowohl bei den Mieten als auch bei den Renten nachweisbar ist, was wirklich RICHTIG und WIRKUNGSVOLL wäre.

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