Panoramablick München

Münchens kleine Zeitenwende: Bilanz des Immobilienmarktes

Weniger Verkäufe, weniger Geldumsatz, höhere Transaktionspreise: Das ist die Halbjahresbilanz 2022 auf dem Münchner Immobilienmarkt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging die Zahl der Kauffälle um 17 Prozent zurück. Der Geldumsatz sank aufgrund fehlender Großtransaktionen im Gewerbesegment, die im Rekordjahr 2021 die Bilanz nach oben trieben, um 33 Prozent auf rund 5,9 Mrd. Euro. Der Halbjahresbericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, dem Thomas Aigner seit vielen Jahren angehört, offenbart aber auch ein vertrautes Bild: Immobilien wurden um bis zu 18 Prozent teurer.

Seit Anfang des Jahres ist oft von einer Zeitenwende die Rede. Bei den Immobilienmärkten zeigt sich diese zum Teil deutlich: Selbst in den Metropolregionen sinken die Angebotspreise für Häuser, Wohnungen und Grundstücke, Verkäufe gehen zurück, weil durch gestiegene Zinsen und die hohe Inflation Kaufanfragen zurückgehen. Aktuelle Zahlen des Münchner Gutachterausschusses machen deutlich: Auch hier ist die Veränderung angekommen – allerdings nicht bei den tatsächlich erzielten Preisen.

Wohnimmobilien wurden nochmal teurer

Erneut verteuerten sich alle Objektarten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Steigerungsraten liegen zwischen 4 Prozent bei neu gebauten Reihenmittel- und 18 Prozent bei Reiheneckhäusern im Bestand. Selbst die bis Ende 2021 einzig verbliebene Objektgruppe, die im Schnitt noch unter der 1-Mio.-Euro-Grenze lag – Reihenmittelhäuser im Bestand – kostet jetzt im Mittel rund 1,06 Mio. Euro (1. HJ 2021: 970.000 Euro).

Neubauwohnungen in guten Lagen wurden im Schnitt 11 Prozent teurer und liegen aktuell bei rund 11.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei Objekten in durchschnittlichen Lagen erhöhten sich die Preise im ersten Halbjahr sogar um 15 Prozent auf 10.900 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Für neu gebaute Doppelhaushälften mussten Käufer im Mittel rund 1,59 Mio. Euro (1. HJ 2021: 1,50 Mio. Euro), für Bestandsimmobilien 1,42 Mio. Euro aufbringen. Das sind ganze 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (1,21 Mio. Euro).

„Wir spüren natürlich die Veränderungen auf dem Münchner Immobilienmarkt. Vermarktungszeiten werden länger, die Zahl der Kaufanfragen reduziert sich und Eigentümer sind verunsichert, ob sie jetzt noch schnell verkaufen oder warten sollen“, sagt Thomas Aigner, Inhaber und Geschäftsführer der Aigner Immobilien GmbH.

Dass trotz solcher Entwicklungen die tatsächlich erzielten Immobilienpreise bislang nicht gefallen sind, erklärt sich der Marktexperte mit dem traditionell knappen Angebot in München und einer nach wie vor solventen Käuferklientel. „Dadurch erleben wir hier bislang eher eine kleine Zeitenwende.“

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