Thomas Aigner, Geschäftsführer Aigner Immobilien - Aigner Immobilien - Immobilienmakler München

Das werden die teuersten Sozialwohnungen in ganz Deutschland

Thomas Aigner im Interview mit Bernhard Bomke, Chefredakteur „Immobilienbrief München“

Um Thomas Aigner zu treffen, gibt es drei Möglichkeiten: Man besucht ihn in einem der neun Büros von Aigner Immobilien in München, Dachau, Pullach oder Starnberg, verabredet sich mit ihm auf einer der gängigen Münchner Immobilienveranstaltungen oder setzt sich auf den Beifahrersitz eines Smarts, den Aigner durch München steuert. Sodann lässt sich mit dem gelernten Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft über das konkrete Geschäft seines 1991 gegründeten Unternehmens genauso sprechen wie über den Münchner Immobilienmarkt, die hiesige Stadtpolitik, Stuhlkreis-Veranstaltungen und insbesondere darüber, was alles anders werden müsste, damit in München und Umgebung mehr Wohnungen gebaut werden.

Aigner, Jahrgang 1970, ist bekannt dafür, regelmäßig einen rauszuhauen. Mal spricht er von der „Mietenlüge“, dann von der „Rentenlüge“ und ein andermal von der Mietpreisbremse als „Opium fürs Volk“. Auch so verschafft sich der Geschäftsmann Gehör, was in der Immobilienbranche in dieser Form nicht sehr weit verbreitet ist. Eines seiner Pfunde dabei: Er hat stets eine Fülle von Daten im Kopf. Hauptquellen sind das eigene Marktresearch und der Gutachterausschuss der Stadt München, in den er Ende 2012 als ehrenamtliches Mitglied berufen wurde.

Aigner: Debatten nicht „nur von irgendwelchen Umwelthilfen führen lassen“

Im Gespräch mit dem Immobilienbrief München begründet er sein ausgelebtes Bedürfnis nach Klartext damit, öffentliche Debatten nicht „nur von irgendwelchen Umwelthilfen führen zu lassen“. Zudem erklärt er, warum sein Unternehmen, in dem ihm seit 2020 Co-Geschäftsführerin Jenny Steinbeiß zur Seite steht, ausgerechnet in diesen Jahren, die in weiten Teilen der Immobilienwirtschaft als außerordentlich schwierig gelten, Rekordumsätze einfährt. So richtig in Fahrt kommt der Geschäftsführer beim Stichwort altes Rischartgelände. Dort, so sagt er voraus, werde die nächsten zehn Jahre nichts Relevantes passieren. Wir trafen Thomas Aigner in seinem Sendlinger Büro.

Herr Aigner, Ihr Unternehmen Aigner Immobilien ist seit 35 Jahren auf dem Markt und fuhr in den Jahren 2024 und wohl auch 2025 Rekorde ein. Was bedeutet das für 2025 in Bezug auf den Umsatz und das vermittelte Objektvolumen?

Obwohl das Marktumfeld weiterhin schwierig ist, war es für uns ein äußerst gutes Jahr. Wir konnten unseren Rekordumsatz von über 26 Millionen Euro im Jahr 2024 halten und hatten merklich mehr Notartermine und Besichtigungen. Insbesondere in den Bereichen Mehrfamilienhäuser sowie Wohn- und Geschäftshäuser lief das Geschäft im vergangenen Jahr noch mal deutlich besser, sowohl mit Blick auf die Anzahl der Verkäufe als auch auf die Kaufwerte. Allein in diesem Bereich, bei dem es üblicherweise um eine Größenordnung von etwa 5 Millionen bis 20 Millionen Euro je Deal geht, hatten wir Richtung zwei Dutzend Beurkundungen.

„Wir haben auch schon mal ein Wohnportfolio für 100 Millionen Euro beurkundet“

Das betrifft den Bereich Investment, den Ihre Geschäftsführungskollegin Jenny Steinbeiß verantwortet. Wie sehen die Zahlen im Einzelnen aus?

Sehr gut: Wir haben Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und Gewerbeimmobilien mit einem Vermittlungsvolumen von 118 Millionen Euro verkauft. 2024 waren es etwas über 110 Millionen Euro. Family Offices und Institutionelle, die ihren Wohnungsbestand erweitern wollen, waren im vergangenen Jahr besonders aktiv.

Das große Geschäft mit Gewerbeimmobilien machen auch in München eher die bekannten Vermittler von Colliers bis JLL unter sich aus, während sich Aigner Immobilien vor allem auf Wohnimmobilien und gemischt genutzte Objekte konzentriert. Dabei bleibt es?

Wir sind in der Tat in den von Ihnen genannten Nutzungsarten zu Hause und werden das im Wesentlichen auch bleiben. Aber zum Stichwort der großen Deals: Wir haben auch schon mal ein Wohnportfolio für 100 Millionen Euro beurkundet. Solche Größen trauen wir uns zu, aber sie sind eher die Ausnahme. 2025 lag die größte Transaktion, die wir vermittelt haben, bei etwas über 20 Millionen Euro.

„Wir wollen nicht den Mangel verwalten, sondern Immobilien vermitteln“

Sie kritisieren immer wieder mit durchaus deutlichen Worten schlechte Rahmenbedingungen für die Immobilienwirtschaft in Deutschland generell und in München im Besonderen, erzielen als Aigner Immobilien aber Rekordumsätze. Wie passt das zusammen?

Das sind zwei verschiedene Dinge. Natürlich kommt uns das hohe Preisniveau in München zugute. Andererseits macht es dieses hohe Niveau einem Großteil der Menschen kaum möglich, eine neue, vielleicht auch nur eine etwas größere Wohnung zu mieten, geschweige denn zu kaufen. Das kann nicht in unserem Sinne sein. Wir wollen ja nicht den Mangel verwalten, sondern Immobilien vermitteln. Hier sollten möglichst viele Menschen Zugang erhalten.

„Wir haben noch nie mehr als 25 Prozent unseres Umsatzes mit Neubauimmobilien gemacht“

Der Zugang scheint ja gegeben, sonst hätten Sie nicht so viel zu tun.

Wir sind vor allem Bestandsmakler. Das ist unsere Stärke. Wir haben in unserer Geschichte in einem Jahr nie mehr als 25 Prozent unseres Umsatzes mit Neubauimmobilien gemacht. Das war auch in den guten Zeiten so. Ein Makler profitiert ja nur bedingt von steigenden Preisen. Dann ist zwar die Nachfrage höher, aber auf der anderen Seite ist die Beschaffung schwieriger.

Also sind alle Marktphasen gleich gut oder gleich schwierig für Makler?

Das nicht. Es braucht schon ein Mindestmaß an Transaktionen. Aber ein guter Makler verdient sein Geld nicht nur in steigenden Märkten, sondern auch in fallenden. Das ist ein bisschen so wie bei Börsenmaklern. Unsere Konzentration auf den Bestand hilft uns in der aktuellen Marktphase, in der es insbesondere in diesem Segment Kaufinteresse gibt, weil viele Neubauwohnungen für potenzielle Käufer zu teuer sind.

Quadratmeterpreise 2025: Neubau 11.993 Euro, Bestand 8.457 Euro

Was heißt das in Zahlen? Quadratmeterpreise von deutlich unter 10 000 Euro sind okay, alles, was fünfstellig ist, bleibt im Regal liegen?

Ganz so ist es nicht, aber die Tendenz stimmt. Im Neubau, unter dem wir die Baujahre 2023 und später verstehen, hatten wir nach unseren Zahlen in den ersten zehn Monaten 2025 im Mittel einen Quadratmeterpreis von 11.993 Euro. 2024 lagen wir noch bei 11.272 Euro. Als Mittelwert im Bestand hatten wir im vergangenen Jahr – ebenfalls in den ersten zehn Monaten – 8.457 Euro pro Quadratmeter, 2024 waren es 7.955 Euro.

„Uns fällt auf die Füße, dass wir in München viel zu wenig Neubau haben“

Wenn es für Neubauwohnungen zu wenige Käufer gibt, heißt das erstens, die Preise dafür müssten sinken, und zweitens, dass es mangels Käufernachfrage künftig noch weniger neue Wohnungen geben wird?

Es kommt jetzt einiges zusammen. Uns fällt auf die Füße, dass wir in München weiterhin viel zu wenige Wohnungen und viel zu wenig Neubau haben. Jetzt kommt noch der Faktor hinzu, dass wir im Neubau Absatzschwierigkeiten haben. Mit Blick auf das aktuelle Zinsniveau wollen oder können sich viele Interessenten eine neue Wohnung nicht leisten.

Allerdings stieg die Zahl der verkauften Neubaueigentumswohnungen in den ersten drei Quartalen 2025 gegenüber 2024 laut Gutachterausschuss, in dem Sie sitzen, um immerhin 24 Prozent.

Ja, auf 930. 930! Das ist für eine Stadt wie München nicht viel und entspricht ungefähr einem Achtel der 7.250 Eigentumswohnungen, die in dem Zeitraum insgesamt veräußert wurden. Im langjährigen Mittel lagen wir mal bei 2.500 verkauften Neubauwohnungen im Jahr. Die Analyse ist also eindeutig: Viele Käufer weichen weiterhin in den Bestand aus. Dieser Markt ist wieder angesprungen. Zudem bieten Bestandswohnungen den Vorteil, dass sie häufig in attraktiveren Lagen zu finden sind als Neubauimmobilien. Neubauten sind also nicht immer da, wo die Leute hinwollen. Und natürlich sind Verkäufer von Bestandsimmobilien beim Preis flexibler als diejenigen, die Neubauwohnungen veräußern wollen.

„Da kann ein Bauträger vielleicht mal eine Küche umsonst drauflegen“

Wegen Bankfinanzierungsthemen?

Ja, vor allem. Im Neubau haben Verkäufer kaum Möglichkeiten, beim Preis nachzugeben. Da kann ein Bauträger vielleicht mal eine Küche umsonst drauflegen, aber viel mehr kann er nicht machen, weil die Bank ihm im Nacken sitzt und er seine Preisliste hat, auf deren Grundlage die Finanzierung vereinbart wurde. Das heißt, ein Bauträger könnte selbst dann, wenn er wollen würde, nicht mit dem Preis nach unten gehen.

Also wird auch weniger gebaut, weil Bauträger die von Banken geforderte Vorverkaufsquote nicht schaffen?

Ja, klar. Die Zeit, in der Bauträger innerhalb eines überschaubaren Zeitraums von der grünen Wiese in großer Zahl Wohnungen verkaufen konnten, ist vorbei. Heutzutage sind mögliche Erwerber verunsichert, weil sie auf dem Markt Beispiele sehen, bei denen Bauträger, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, ihre Projekte gar nicht fertiggebaut haben. Auf der anderen Seite kann es sein, dass ein Käufer eine Wohnung kaufen möchte, aber der Bauträger schafft das Vorverkaufsziel von vielleicht 30 Prozent bis zum Tag X nicht. Dann finanziert die Bank nicht.

Die 30 Prozent sind ein typischer Wert?

Mindestens. Oft sind es sogar 40 Prozent.

Auch im Luxussegment halten sich potenzielle Käufer derzeit zurück

In München wird viel über geförderten Wohnungsbau gesprochen, auch über Luxuswohnungen und eher wenig über den Bedarf dazwischen. Funktioniert denn wenigstens die Käufernachfrage nach Luxuswohnungen noch?

Das Luxussegment ist in München das einzige, in dem es in den vergangenen 35 Jahren zumindest zeitweise einen ausgeglichenen Markt gab. Im Moment gibt es auch hier eine gewisse Zurückhaltung von Käufern.

Weil der Luxusmarkt gesättigt ist?

Das glaube ich nicht. Die Menschen, die so etwas kaufen, wissen sehr genau, wie der Markt funktioniert. Also wissen sie, dass es Angebot gibt. Dementsprechend fühlen sie sich nicht unter Druck, genau jetzt zuzuschlagen. Das war in den Jahren 2018 bis 2021 noch anders. Da dachten viele, sie müssten sofort kaufen, weil es sonst nichts mehr zu kaufen geben würde.

Wie definieren Sie das Luxussegment?

Ich würde sagen, alles über etwa 15.000 Euro pro Quadratmeter ist exklusiv oder Luxus.

Lässt sich das angezogene Geschäft von Ihnen bei der Vermittlung von Mehrfamilienhäusern mit gefallenen Kaufpreisfaktoren oder Quadratmeterpreisen erklären?

Die Faktoren, die in der Hochphase des Markts 2021 oder Anfang 2022 für 30 oder 40 Jahre alte Mehrfamilienhäuser teilweise bei über 40 lagen, bewegen sich jetzt eher zwischen 30 und 35. Das ist vor allem ein direkter Effekt der Zinsentwicklung. Bei Eigentumswohnungen sind die Effekte nicht so deutlich, die Faktoren und Kaufpreise sind also nicht so stark gesunken. Im Bereich der Mehrfamilienhäuser lagen wir in München nach Zahlen des Gutachterausschusses 2021 noch bei durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 8.450 Euro, 2024 waren es nur noch 5.800 Euro, also ungefähr so viel wie in den Jahren 2016 und 2017. 2025 befanden wir uns nach unseren Zahlen weiterhin irgendwo zwischen 5.000 und 6.000 Euro.

Prognose 2026: Kaum Bewegung bei Preisen für Mehrfamilienhäuser

Haben sich die Preise da jetzt eingegroovt oder erwarten Sie im Jahr 2026 nennenswerte Bewegungen?

Es gibt immer wieder Ausreißer nach oben und nach unten. Natürlich liegen jetzt nicht alle Mehrfamilienhäuser zwischen 30 und 35, und zwischendurch gibt es nach wie vor Objekte, die für das 40-Fache oder sogar darüber veräußert werden. Das sind dann besondere Situationen, die immer wieder vorkommen. Der Kaufpreisfaktor ist auch nur ein Kriterium und nicht unbedingt das wichtigste. Vielfach stellen sich bei solchen Immobilien noch Fragen nach Entwicklungs- und Nachverdichtungsmöglichkeiten und der Mietentwicklung. Es gibt viele Häuser, in denen es jahrzehntelang keine Mietsteigerungen gab. Da ist der Kaufpreisfaktor nur sehr begrenzt bis gar nicht aussagekräftig. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ich sehe nicht, dass sich die Quadratmeterpreise für Mehrfamilienhäuser in diesem Jahr markant nach oben oder unten bewegen werden.

Kaum Käufer aus London, den USA oder Nahost

Wer waren 2025 die typischen Käufer von Immobilien in München?

Im Bereich Wohnimmobilien, also Wohnungen und Eigenheime, waren im vergangenen Jahr 69 Prozent Eigennutzer und 31 Prozent Kapitalanleger. Bei den größeren Deals ab etwa 5 Millionen Euro war es ein Mix aus Family Offices, vermögenden Privatpersonen, Vermögensverwaltungen, Stiftungen und Unternehmen, die sich auf Entwicklungen im Bestand oder aufs Aufteilergeschäft verstehen.

Keine Investoren aus London, den USA oder der Golfregion im Nahen Osten?

Die fallen in unseren Segmenten kaum ins Gewicht. Es sind fast alles einheimische Käufer, die sich in München gut auskennen.

Und wer waren die typischen Verkäufer?

Die meisten sind Erben oder Erbengemeinschaften.

Warum Käufer und Verkäufer trotz erfolgreicher Deals oft nicht genannt werden wollen

Aigner Immobilien verbreitet immer wieder Meldungen mit sehr vielen Unbekannten. Also tendenziell dergestalt, dass irgendwer irgendwo von irgendwem eine Immobilie zum Betrag Stillschweigen erworben hat. Warum legen viele Käufer und Verkäufer so viel Wert auf Diskretion, wenn doch jeder Deal eigentlich eine positive Nachricht ist?

Vielen unserer Kunden ist Diskretion in der Tat sehr wichtig. Privatleute, Erbengemeinschaften oder Family Offices wollen oft nicht genannt werden.

Auch jetzt nicht, da man mit jedem Deal zeigen könnte, dass was geht und dass die Beteiligten etwas geschafft haben?

Das ist nicht so ihr Anliegen.

Wie ist das mit dem Geschäft von Aigner Immobilien. Geht es 2026 mit den rekordverdächtigen Umsätzen gleich so weiter?

Für 2026 haben wir ganz gut gefüllte Auftragsbücher. Ob es wieder ein Rekordjahr wird, sage ich Ihnen im Herbst.

Ihr Unternehmen wächst kontinuierlich und zählt derzeit rund 150 Mitarbeiter. Planen Sie in den nächsten Jahren eine Erweiterung des Geschäfts Richtung Augsburg oder Ingolstadt?

Das haben wir nicht vor. Wir bleiben dem Großraum München treu und sind momentan dabei, unsere Standorte, die wir haben, zu konsolidieren. Wir erweitern unser Büro in Schwabing und wachsen auch an unserem Standort in Bogenhausen. Gut möglich, dass wir auch Starnberg und Nymphenburg noch mal erweitern. Es liegt jetzt schon viele Jahre zurück, dass wir mal versucht haben, in Frankfurt am Main Fuß zu fassen. So etwas kann nur gelingen, wenn Sie Leute haben, die sich dort schon länger gut auskennen. Als Münchner in Frankfurt, so etwas ist sehr, sehr schwierig.

„Die Zahl der Baurechtschaffungen in München liegt unfassbar niedrig“

Sie sind seit 35 Jahren im Geschäft und kritisieren, dass es in München ständig zu wenige Wohnungen gibt. Ist das naturgegeben, weil die Stadt nun mal viele Leute anzieht, oder was läuft hier womöglich falsch?

In München wird seit Langem vor allem Politik für die Bestandsmieter gemacht. Das mag auch verständlich sein, weil mehr als 75 Prozent in der Stadt zur Miete wohnen, aber das ist keine zukunftsorientierte Politik. Der Mangel ist vielleicht nicht vollständig ausgleichbar, aber man könnte ihn doch deutlich reduzieren. Die Zahlen zu Genehmigungen und Fertigstellungen von Wohnungen in München befinden sich auf einem skandalös niedrigen Niveau. Auch die Zahl der Baurechtschaffungen liegt mit zuletzt 1.030 im Jahr 2024 unfassbar niedrig. Hier waren wir 2018 schon mal bei fast 7.000. Ähnlich sieht es bei den Genehmigungen aus. 2024 waren es 8.300, 2017 lagen wir bei fast 13.500. Ein Großteil des Mangels ist definitiv hausgemacht, zumal die Stadtregierungen seit jeher zu wenig Wert darauf legen, neues Bauland auszuweisen.

Was mit Blick auf die dichte Bebauung in München und die wenigen noch freien Flächen auch nicht ganz einfach ist.

Einfach ist das nie. Aber wer bauen will, und die Stadt hat sich ja jährlich 8.500 neue Wohnungen zum Ziel gesetzt, muss erst mal Bauland ausweisen, um Baugenehmigungen erteilen zu können. Diese sogenannten Stadtentwicklungsmaßnahmen …

Stadtentwicklungsmaßnahmen: Viel diskutiert, aber nichts gebaut

… im Norden und Nordosten Münchens …

… gibt es schon seit über 15 Jahren. Dort wurde viel diskutiert, es wurde viel Bürgerbeteiligung gemacht, ökologische Themen wurden besprochen, aber leider wurden keine Tatsachen geschaffen. Dort gibt es noch immer kein ausgewiesenes Bauland. Wir haben mit so etwas seit Jahrzehnten sehr viel Zeit vertan. Da hieß es, auf den früheren Kasernengeländen würde ja gebaut. Aber das reicht nun mal nicht. Wir hätten in München in der Zeit, als Bauen noch deutlich billiger war und wir sehr niedrige Zinsen hatten, viel mehr tun müssen. Aber man hat lieber die bestehenden Verhältnisse konserviert.

„OB Reiter will erst mal Platz für Party und Kultur schaffen. Glückwunsch!“

Und sehr viel Geld in den Kauf vermieteter Wohnungen gesteckt, um dort dauerhaft niedrige Mieten garantieren zu können.

Auch das. Mein Lieblingsbeispiel für die völlig verfehlte Wohnungsbaupolitik in München: 2022 kaufte die Stadt für 87 Millionen Euro das Rischart-Grundstück im Gärtnerplatzviertel, um darauf irgendwann 100 bezahlbare Wohnungen zu errichten. Da gibt es natürlich noch immer keine Wohnung. Jetzt will Oberbürgermeister Dieter Reiter dort erst mal Platz für Party, Kunst und Kultur schaffen. Glückwunsch!

„Jede Sozialwohnung würde dort 1,5 Millionen Euro kosten“

Wann erwarten Sie dort den Beginn von Wohnungsbau?

Da wird die nächsten zehn Jahre noch nichts passieren. Die Münchner Wohnen, diese total gescheiterte Fusion von zwei städtischen Wohnungsbaugesellschaften, ist ja schon froh, wenn sie überhaupt noch ihren Bestand verwaltet bekommt. An nennenswerte neue Projekte ist da nicht zu denken. Ganz unabhängig davon: Sollte auf dem alten Rischartgelände jemals gebaut werden, würde dort jede Wohnung 1,5 Millionen Euro kosten. Die Wohnungen werden dann – Stand heute – für 12 Euro pro Quadratmeter vermietet, kosten aber in der Entstehung mindestens 20 Euro, eher noch deutlich mehr. Das werden die teuersten Sozialwohnungen in ganz Deutschland.

Warum Aigner für ein regionales Planungsrecht trommelt

Sie trommeln seit geraumer Zeit für ein regionales Planungsrecht, also die Möglichkeit, Metropolregionen als Ganzes zu entwickeln. Warum wird daraus nichts?

Weil die Rechtsgrundlage fehlt. Es gibt das kommunale Planungsrecht, bei dem jede einzelne Kommune ihre eigene Stadtentwicklung macht. Da werden überall Bürgermeister gewählt, deren Wähler erwarten, dass alles im Wesentlichen so bleibt, wie es ist. Da wird niemand dafür gewählt, Probleme der Stadt München zu lösen.

Also wird es nichts damit, dass Ebersberg, Freising und Taufkirchen die Wohnungen bauen, die die Münchner nicht in ihrem Hinterhof haben wollen?

Im Gegenteil: Wer in den umliegenden Kommunen jetzt im großen Maßstab Wohnungen bauen würde, hätte ein Problem mit seiner Infrastruktur. Auch die müsste entsprechend ausgebaut werden: Straßen, Kindergärten, Schulen …

„Dieses ganze Kleinklein wird der Wirklichkeit in Metropolregionen nicht gerecht“

Auf den Kosten dafür blieben die Kommunen sitzen.

Genau. Dieses ganze Kleinklein wird der Wirklichkeit in Metropolregionen wie München nicht gerecht. Natürlich würde ein regionales Planungsrecht empfindliche Einschnitte in die Befugnisse der Kommunalpolitik bedeuten. Die lokale Steuerung von Stadtentwicklung und Wohnungsbau müsste zugunsten einer zentralen Planungsbehörde für die Region abgeschafft werden. Diese zentrale Behörde hätte die Aufgabe, über die engen Grenzen von Städten und Gemeinden hinaus zu planen, Bauland auszuweisen und Flächen zu entwickeln. Ich verstehe nicht, dass man nicht längst daran arbeitet, die gesetzliche Grundlage für ein regionales Planungsrecht zu schaffen. So, wie wir es jetzt haben, ist es aus der Zeit gefallen.

Bringt der Europäische Metropolregion München e. V. da irgendwas oder ist so etwas eher Stuhlkreis?

Das ist Stuhlkreis.

„Man bespricht sich, hört sich allerlei an und macht dann nichts“

Und die regionale Wohnungsbaukonferenz, die es nun schon mehr als zehn Jahre gibt?

Da gibt es alles Mögliche. Aber das sind alles Formate, bei denen man sich bespricht, man hört sich allerlei an und macht dann nichts. Klar, warum auch? Die Bürgermeister wollen ja alle wiedergewählt werden. Mit Regionalplanung werden sie kaum gewinnen können.

Würde ein runder Tisch von Stadtverwaltung, Stadtrat und Immobilienwirtschaft helfen können, die Wohnungsknappheit in München (und Umgebung) zu überwinden?

Im Gespräch zu sein und zu bleiben, wäre sicherlich sinnvoll. Investoren, Projektentwickler und Bauträger müssten auf jeden Fall dabei sein. Noch besser wäre ein Forum, in dem auch die Entscheider der Umlandgemeinden mit am Tisch säßen. Und am allerbesten wäre es, wenn der Bund als zuständiger Gesetzgeber Rahmenbedingungen aus Vorgaben und Anreizen schaffen würde, um Gebietsreformen zu ermöglichen, die ein solches regionales Planungsrecht umfassen.

„Ich finde es wichtig, als Akteur auf dem Immobilienmarkt Impulse zu setzen“

Die meisten Immobilienunternehmen halten sich in der Öffentlichkeit mit Äußerungen zur Wirtschafts- oder Wohnungsbaupolitik zurück. Sie dagegen hauen regelmäßig einen raus und sprechen zum Beispiel von Mietenlüge, Rentenlüge oder Opium fürs Volk, wenn es um Instrumente wie die Mietpreisbremse geht. Haben Sie damit schon Konkretes erreicht?

Sagen wir mal so: Ich hatte schon mal eine Reaktion von Oberbürgermeister Reiter auf eine meiner Pressemitteilungen. Eine Zeitung schrieb, dass er über die Mitteilung verärgert sei. Das war schon mal ein schöner Erfolg.

Okay, aber Verärgerung ist noch kein Wohnungsbau. Was bezwecken Sie also konkret mit diesen Äußerungen?

Ich finde es wichtig, als Akteur auf dem Immobilienmarkt Impulse zu setzen. Politische Entscheider haben Thinktanks, Gremien tagen, entwerfen Ideen – doch wie viele haben dort wirklich Ahnung davon, was die Kernprobleme sind? Ich bin an keine Partei gebunden und muss nicht taktieren, deshalb kann ich Dinge aussprechen, die Politiker nicht sagen dürfen. Wenn man oft genug auf Missstände hinweist, kann sich eher etwas ändern, als wenn man schweigt.

„Da sollte die Immobilienwirtschaft viel offensiver gegenhalten“

Sind die Immobilienunternehmen zu leise?

Wenn dem so sein sollte, trage ich gerne dazu bei, dass sich das ändert. Ich halte nichts davon, öffentliche Debatten nur von irgendwelchen Umwelthilfen führen zu lassen. Die werden mit Steuergeld bezahlt, haben aber keine andere Funktion als denjenigen, die etwas Konkretes tun wollen, Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Da sollte die Immobilienwirtschaft viel offensiver gegenhalten. Sonst werden am Ende immer weniger Wohnungen gebaut – mit dem Effekt, dass Kaufpreise und Mieten noch weiter steigen.

Das Interview erschien im Immobilienbrief München, Ausgabe 45 vom 14.01.2026.

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